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Borisnils-Design
Wer beurteilt eigentlich, was gutes Design ist?
Wer beurteilt eigentlich, was gutes Design ist?
Kleines Geständnis vorweg: Auch wir wollten früher mal ganz vorne mitspielen. Design-Preise gewinnen, auf der Bühne stehen, den Pokal mit dem eigenen Namen fotografieren und ihn stolz ins Regal stellen. Wer diese Branche kennt, kennt diesen Reflex. Man wächst mit dem Glauben auf, dass ein goldener Aufkleber auf dem Produkt irgendetwas beweist. Heute schauen wir mit einem Grinsen darauf zurück – und mit ein bisschen Mitleid für unser früheres Ich.
Denn jedes Jahr, zur Award-Saison, dasselbe Schauspiel: Trendreports mit klangvollen Stichworten, “Gestaltungsbewegungen”, ein Dutzend Zitate von Menschen mit Titeln wie “Vice President Design Experience” oder “Senior Executive Director Creation”. Alle sagen im Grunde dasselbe: Design werde komplexer, vernetzter, verantwortungsvoller. Klingt bedeutend. Ist es aber meistens nicht – wer’s braucht.
Denn wer beurteilt hier eigentlich, was gut ist? Designer. Für Designer. Vor einem Publikum aus Designern, das sich gegenseitig bestätigt, während draußen niemand mitklatscht. Die Zitate loben sich untereinander in derselben Sprache, mit denselben Worthülsen – “Resonanzraum”, “Orientierung”, “ganzheitlich”. Ein geschlossener Zirkel, der sich selbst ein Vokabular gibt, das nur innerhalb der eigenen vier Wände Bedeutung hat. Fast schon niedlich, wie ernst man sich dabei nimmt.
Und das hat einen ziemlich simplen Grund: Wer in diesem Zirkel lobt, wird selbst wieder eingeladen, wieder zitiert, wieder gebucht. Die Lobrede ist Geschäftsmodell – eine Art Altersvorsorge für Design-Dinosaurier, die sich seit Jahrzehnten gegenseitig die Bühne warmhalten. Man feiert sich, damit man gefeiert bleibt. Charmant anzusehen, aber mit dem eigentlichen Produkt hat das oft herzlich wenig zu tun.
Der eigentliche Fehler in der Award-Kultur: Sie bewertet, was gut erzählt ist – nicht, was gut funktioniert.
Ein Produkt gewinnt nicht, weil es hält, sich rechnet oder Ressourcen spart. Es gewinnt, weil es sich in eine Jury-Sprache übersetzen lässt, die selbst wieder nur Insidern etwas sagt. Meinungsökonomie statt Funktionsurteil. Nichts, worüber man sich aufregen müsste – eher etwas, worüber man mit einem Augenzwinkern hinweggeht. Wir haben schließlich auch mal mitgeträumt.
Wir kommen aus einer Ecke, in der Träumen allein nicht reicht. Bevor wir Design gemacht haben, haben wir Werkzeuge gebaut. Und ein Werkzeugmacher kann sich keine Meinung leisten, ob ein Bauteil hält. Es hält – oder es bricht. Diese Nüchternheit fehlt der Award-Welt komplett. Dort kann fast alles “visionär” genannt werden, solange die Formulierung stimmt und das Licht auf der Bühne gut sitzt.
Das ist übrigens keine neue Erkenntnis. Dieter Rams hat es schon vor Jahrzehnten auf den Punkt gebracht: “Weniger, aber besser.” Keine Rede von Resonanzräumen, keine Selbstinszenierung – nur die nüchterne Frage, ob ein Produkt seinen Zweck erfüllt. Rams brauchte kein Rampenlicht, er wurde gefragt, weil seine Arbeit funktionierte. Das Gegenmodell dazu lieferte, mit viel Schwung und noch mehr Chrom, sein Zeitgenosse Luigi Colani: raumgreifende, biomorphe Formen, oft technisch kaum umsetzbar, dafür maximal fotogen. Beeindruckend anzusehen, selten zu Ende gedacht. Zwei Haltungen, zwei Ergebnisse. Nur eine davon hält bis heute – und es ist nicht die mit dem meisten Schwung.
Was uns interessiert, ist nicht, ob etwas gerade gut erzählt wird. Sondern ob es funktioniert: Spart es Ressourcen? Hält es der Belastung stand? Rechnet es sich für den, der es einsetzt? Diese Fragen beantwortet keine Jury – die beantwortet nur die Physik, die Fertigung, der Markt. Und die drei sind bekanntermaßen unbestechlich.
Das heißt nicht, dass in solchen Reports nichts Reales steckt. Es gibt einen Unterschied zwischen Trends, die Mode sind, und Entwicklungen, die einfach logisch und unumkehrbar werden. Zirkuläre Materialsysteme zum Beispiel sind kein Geschmacksphänomen – Rohstoffe werden knapper, Regularien ziehen an, das verschwindet nicht wieder. Sensorik und Datenverarbeitung in Produkten werden zur Normalität, weil Rechenleistung strukturell billiger wird – dieselbe Logik, mit der vor Jahren jedes Gerät plötzlich eine Internetverbindung brauchte. Und barrierefreies, inklusives Design wird vielerorts schlicht Pflicht, nicht Kür.
Das sind keine “Trends”. Das ist Notwendigkeit, التي verpackt wird als Trend.
Mineralische Farbwelten dagegen, organische Formsprachen, multisensorische Licht-Klang-Inszenierungen – das ist Mode. Kommt und geht mit der nächsten Saison, hat mit Funktion nichts zu tun und wird in drei Jahren durch die nächste Palette ersetzt. Fragt mal Colani.
Der Unterschied ist einfach zu erkennen, wenn man eine Frage stellt, die in keiner Jury-Sitzung gestellt wird: Würde das auch ohne Preis, ohne Bühne, ohne Applaus noch Sinn ergeben? Bei Materialkreisläufen: ja. Bei den meisten Award-Ästhetiken: eher nicht.
Das eigentlich gute Design entsteht ohnehin oft ganz woanders: bei Studios und Werkstätten, die kein Interesse daran haben, sich selbst zur Marke zu machen. Fernab vom Rampenlicht, mit mehr Substanz, mehr Nachhaltigkeit, mehr Echtheit, als es in den Talkrunden der Selbstbeweihräucherung je vorkommt. Diese Ära wird sich mit der Zeit von ganz allein erledigen – einfach, weil es genug Designer gibt, die es lieber realistisch und richtig machen wollen, als sich selbst zu feiern. Bis dahin: wer’s braucht.
Wir bauen nicht für Jurys. Wir bauen für Menschen, die ein Produkt tatsächlich benutzen – und für Unternehmen, die damit tatsächlich etwas erreichen müssen. Das ist kein Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Das ist Handwerk mit Verantwortung. Den Pokal fürs Regal überlassen wir gerne anderen.
SEO Meta-Description: Design-Awards bewerten oft, was gut erzählt ist, nicht was funktioniert. Ein leichter, selbstironischer Blick hinter die Trendsprache der Award-Saison – und warum wir bei borisnils design anders arbeiten: lösungsorientiert, nicht meinungsgetrieben.
Kleines Geständnis vorweg: Auch wir wollten früher mal ganz vorne mitspielen. Design-Preise gewinnen, auf der Bühne stehen, den Pokal mit dem eigenen Namen fotografieren und ihn stolz ins Regal stellen. Wer diese Branche kennt, kennt diesen Reflex. Man wächst mit dem Glauben auf, dass ein goldener Aufkleber auf dem Produkt irgendetwas beweist. Heute schauen wir mit einem Grinsen darauf zurück – und mit ein bisschen Mitleid für unser früheres Ich.
Denn jedes Jahr, zur Award-Saison, dasselbe Schauspiel: Trendreports mit klangvollen Stichworten, “Gestaltungsbewegungen”, ein Dutzend Zitate von Menschen mit Titeln wie “Vice President Design Experience” oder “Senior Executive Director Creation”. Alle sagen im Grunde dasselbe: Design werde komplexer, vernetzter, verantwortungsvoller. Klingt bedeutend. Ist es aber meistens nicht – wer’s braucht.
Denn wer beurteilt hier eigentlich, was gut ist? Designer. Für Designer. Vor einem Publikum aus Designern, das sich gegenseitig bestätigt, während draußen niemand mitklatscht. Die Zitate loben sich untereinander in derselben Sprache, mit denselben Worthülsen – “Resonanzraum”, “Orientierung”, “ganzheitlich”. Ein geschlossener Zirkel, der sich selbst ein Vokabular gibt, das nur innerhalb der eigenen vier Wände Bedeutung hat. Fast schon niedlich, wie ernst man sich dabei nimmt.
Und das hat einen ziemlich simplen Grund: Wer in diesem Zirkel lobt, wird selbst wieder eingeladen, wieder zitiert, wieder gebucht. Die Lobrede ist Geschäftsmodell – eine Art Altersvorsorge für Design-Dinosaurier, die sich seit Jahrzehnten gegenseitig die Bühne warmhalten. Man feiert sich, damit man gefeiert bleibt. Charmant anzusehen, aber mit dem eigentlichen Produkt hat das oft herzlich wenig zu tun.
Der eigentliche Fehler in der Award-Kultur: Sie bewertet, was gut erzählt ist – nicht, was gut funktioniert.
Ein Produkt gewinnt nicht, weil es hält, sich rechnet oder Ressourcen spart. Es gewinnt, weil es sich in eine Jury-Sprache übersetzen lässt, die selbst wieder nur Insidern etwas sagt. Meinungsökonomie statt Funktionsurteil. Nichts, worüber man sich aufregen müsste – eher etwas, worüber man mit einem Augenzwinkern hinweggeht. Wir haben schließlich auch mal mitgeträumt.
Wir kommen aus einer Ecke, in der Träumen allein nicht reicht. Bevor wir Design gemacht haben, haben wir Werkzeuge gebaut. Und ein Werkzeugmacher kann sich keine Meinung leisten, ob ein Bauteil hält. Es hält – oder es bricht. Diese Nüchternheit fehlt der Award-Welt komplett. Dort kann fast alles “visionär” genannt werden, solange die Formulierung stimmt und das Licht auf der Bühne gut sitzt.
Das ist übrigens keine neue Erkenntnis. Dieter Rams hat es schon vor Jahrzehnten auf den Punkt gebracht: “Weniger, aber besser.” Keine Rede von Resonanzräumen, keine Selbstinszenierung – nur die nüchterne Frage, ob ein Produkt seinen Zweck erfüllt. Rams brauchte kein Rampenlicht, er wurde gefragt, weil seine Arbeit funktionierte. Das Gegenmodell dazu lieferte, mit viel Schwung und noch mehr Chrom, sein Zeitgenosse Luigi Colani: raumgreifende, biomorphe Formen, oft technisch kaum umsetzbar, dafür maximal fotogen. Beeindruckend anzusehen, selten zu Ende gedacht. Zwei Haltungen, zwei Ergebnisse. Nur eine davon hält bis heute – und es ist nicht die mit dem meisten Schwung.
Was uns interessiert, ist nicht, ob etwas gerade gut erzählt wird. Sondern ob es funktioniert: Spart es Ressourcen? Hält es der Belastung stand? Rechnet es sich für den, der es einsetzt? Diese Fragen beantwortet keine Jury – die beantwortet nur die Physik, die Fertigung, der Markt. Und die drei sind bekanntermaßen unbestechlich.
Das heißt nicht, dass in solchen Reports nichts Reales steckt. Es gibt einen Unterschied zwischen Trends, die Mode sind, und Entwicklungen, die einfach logisch und unumkehrbar werden. Zirkuläre Materialsysteme zum Beispiel sind kein Geschmacksphänomen – Rohstoffe werden knapper, Regularien ziehen an, das verschwindet nicht wieder. Sensorik und Datenverarbeitung in Produkten werden zur Normalität, weil Rechenleistung strukturell billiger wird – dieselbe Logik, mit der vor Jahren jedes Gerät plötzlich eine Internetverbindung brauchte. Und barrierefreies, inklusives Design wird vielerorts schlicht Pflicht, nicht Kür.
Das sind keine “Trends”. Das ist Notwendigkeit, التي verpackt wird als Trend.
Mineralische Farbwelten dagegen, organische Formsprachen, multisensorische Licht-Klang-Inszenierungen – das ist Mode. Kommt und geht mit der nächsten Saison, hat mit Funktion nichts zu tun und wird in drei Jahren durch die nächste Palette ersetzt. Fragt mal Colani.
Der Unterschied ist einfach zu erkennen, wenn man eine Frage stellt, die in keiner Jury-Sitzung gestellt wird: Würde das auch ohne Preis, ohne Bühne, ohne Applaus noch Sinn ergeben? Bei Materialkreisläufen: ja. Bei den meisten Award-Ästhetiken: eher nicht.
Das eigentlich gute Design entsteht ohnehin oft ganz woanders: bei Studios und Werkstätten, die kein Interesse daran haben, sich selbst zur Marke zu machen. Fernab vom Rampenlicht, mit mehr Substanz, mehr Nachhaltigkeit, mehr Echtheit, als es in den Talkrunden der Selbstbeweihräucherung je vorkommt. Diese Ära wird sich mit der Zeit von ganz allein erledigen – einfach, weil es genug Designer gibt, die es lieber realistisch und richtig machen wollen, als sich selbst zu feiern. Bis dahin: wer’s braucht.
Wir bauen nicht für Jurys. Wir bauen für Menschen, die ein Produkt tatsächlich benutzen – und für Unternehmen, die damit tatsächlich etwas erreichen müssen. Das ist kein Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Das ist Handwerk mit Verantwortung. Den Pokal fürs Regal überlassen wir gerne anderen.
SEO Meta-Description: Design-Awards bewerten oft, was gut erzählt ist, nicht was funktioniert. Ein leichter, selbstironischer Blick hinter die Trendsprache der Award-Saison – und warum wir bei borisnils design anders arbeiten: lösungsorientiert, nicht meinungsgetrieben.
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