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borisnils-design
Der Pokal kostet extra. Wer zahlt eigentlich dafür?
Der Pokal kostet extra. Wer zahlt eigentlich dafür?
Ich hab in einer Agentur gearbeitet, die genau diese Frage gestellt hat. Nicht: Hat das Produkt einen Preis verdient? Sondern: Welche Produkte reichen wir dieses Jahr ein?
Design-Preise kosten Geld. Teilnahmegebühren, oft im drei- bis vierstelligen Bereich, gestaffelt nach Anzahl der Einreichungen. Gewinnt man, kommen häufig noch Veröffentlichungsgebühren obendrauf. Wer zahlt das am Ende? Meistens das Unternehmen — motiviert von der eigenen Agentur, die genauso viel davon hat wie der Kunde selbst. Ein gewonnener Preis ist eine Fallstudie fürs eigene Portfolio, ein Pitch-Argument für den nächsten Kunden, eine Zeile mehr auf der eigenen Website.
Das heißt nicht, dass Unternehmen dumm sind, die da mitmachen. Ein gewonnener Preis öffnet Türen — beim Recruiting, in der PR, im nächsten Investorengespräch. Die Frage ist nur: Sagt der Preis wirklich etwas über das Produkt aus? Oder nur darüber, wer die überzeugendste Bewerbungsmappe geschrieben hat?
Wie müsste ein Preis aussehen, der diesen Namen wirklich verdient? Die Jury dahinter müsste anders besetzt sein — nicht nur Leute mit einer Meinung, sondern welche, die Fakten liefern. Ein Materialtechniker, der einschätzen kann, ob ein Bauteil die Belastung wirklich aushält. Ein Physiker, der die Grenzen kennt. Ein Wirtschaftsmensch, der prüft, ob sich das rechnet — nicht nur für den Konzern, sondern für den, der es tatsächlich benutzt. Und ein Designer, aber als eine Stimme von mehreren, nicht als Alleinherrscher über Geschmack.
Und die Kriterien dürften nicht bei Form, Farbe, Funktion aufhören. Viel interessanter ist die Frage: Wurde ein neues Material eingesetzt, das etwas einspart? Eine Konstruktionsform, die es so noch nicht gab? Ein Herstellungsverfahren, das weniger Ressourcen braucht? Oder wurde mit KI zusammen etwas entwickelt, das vorher schlicht nicht möglich war? Es gibt Unternehmen wie LEAP71, die mit ihrer KI-Software komplette Raketentriebwerke autonom entwerfen lassen — Physik, Fertigungsgrenzen und Ingenieurwissen direkt im Entwurfsprozess verwoben. Genau das müsste ausgezeichnet werden können.
Aber so eine Jury allein reicht nicht. Bei ein paar hundert Einreichungen im Jahr mag das funktionieren. Bei den Millionen Produkten, die tatsächlich jedes Jahr auf den Markt kommen, kann keine Jury der Welt mithalten. Und genau da wird die Idee erst richtig interessant: Was, wenn man sich gar nicht mehr bewerben müsste? Wenn jedes Produkt von Haus aus eine Art Produktampel bekäme — nicht als Auszeichnung, um die man sich reißt, sondern als Standard, dem sich niemand entziehen kann.
Das wäre nichts grundsätzlich Neues — beim Essen kennen wir das längst. Die Nährwert-Ampel zeigt in Rot, Gelb, Grün, ob ein Lebensmittel zu viel Zucker oder Fett enthält, auf einen Blick, ohne dass man die Packungsbeilage studieren muss. Warum sollte das nicht genauso für ein Produkt selbst funktionieren — nicht was drin ist, sondern ob es hält, was es verspricht?
Das würde die ganze Logik umdrehen. Aktuell zahlt man dafür, gut dazustehen. Mit einer Ampel würde sich schlechtes Design von ganz allein entlarven, ganz ohne Preisgeld und Jury-Dinner. Kein Pokal fürs Regal mehr nötig — nur noch eine ehrliche Farbe, die zeigt, was drin ist. Teuer schützt nicht vor Schlecht, und billig ist nicht automatisch schlecht — die Farbe kennt keinen Unterschied.
Vielleicht ist das die eigentliche Zukunft der Award-Saison: weg von der Bühne, hin zum Alltag. Jedes Produkt bekommt seinen eigenen kleinen Designpreis — ob es will oder nicht.
Ich hab in einer Agentur gearbeitet, die genau diese Frage gestellt hat. Nicht: Hat das Produkt einen Preis verdient? Sondern: Welche Produkte reichen wir dieses Jahr ein?
Design-Preise kosten Geld. Teilnahmegebühren, oft im drei- bis vierstelligen Bereich, gestaffelt nach Anzahl der Einreichungen. Gewinnt man, kommen häufig noch Veröffentlichungsgebühren obendrauf. Wer zahlt das am Ende? Meistens das Unternehmen — motiviert von der eigenen Agentur, die genauso viel davon hat wie der Kunde selbst. Ein gewonnener Preis ist eine Fallstudie fürs eigene Portfolio, ein Pitch-Argument für den nächsten Kunden, eine Zeile mehr auf der eigenen Website.
Das heißt nicht, dass Unternehmen dumm sind, die da mitmachen. Ein gewonnener Preis öffnet Türen — beim Recruiting, in der PR, im nächsten Investorengespräch. Die Frage ist nur: Sagt der Preis wirklich etwas über das Produkt aus? Oder nur darüber, wer die überzeugendste Bewerbungsmappe geschrieben hat?
Wie müsste ein Preis aussehen, der diesen Namen wirklich verdient? Die Jury dahinter müsste anders besetzt sein — nicht nur Leute mit einer Meinung, sondern welche, die Fakten liefern. Ein Materialtechniker, der einschätzen kann, ob ein Bauteil die Belastung wirklich aushält. Ein Physiker, der die Grenzen kennt. Ein Wirtschaftsmensch, der prüft, ob sich das rechnet — nicht nur für den Konzern, sondern für den, der es tatsächlich benutzt. Und ein Designer, aber als eine Stimme von mehreren, nicht als Alleinherrscher über Geschmack.
Und die Kriterien dürften nicht bei Form, Farbe, Funktion aufhören. Viel interessanter ist die Frage: Wurde ein neues Material eingesetzt, das etwas einspart? Eine Konstruktionsform, die es so noch nicht gab? Ein Herstellungsverfahren, das weniger Ressourcen braucht? Oder wurde mit KI zusammen etwas entwickelt, das vorher schlicht nicht möglich war? Es gibt Unternehmen wie LEAP71, die mit ihrer KI-Software komplette Raketentriebwerke autonom entwerfen lassen — Physik, Fertigungsgrenzen und Ingenieurwissen direkt im Entwurfsprozess verwoben. Genau das müsste ausgezeichnet werden können.
Aber so eine Jury allein reicht nicht. Bei ein paar hundert Einreichungen im Jahr mag das funktionieren. Bei den Millionen Produkten, die tatsächlich jedes Jahr auf den Markt kommen, kann keine Jury der Welt mithalten. Und genau da wird die Idee erst richtig interessant: Was, wenn man sich gar nicht mehr bewerben müsste? Wenn jedes Produkt von Haus aus eine Art Produktampel bekäme — nicht als Auszeichnung, um die man sich reißt, sondern als Standard, dem sich niemand entziehen kann.
Das wäre nichts grundsätzlich Neues — beim Essen kennen wir das längst. Die Nährwert-Ampel zeigt in Rot, Gelb, Grün, ob ein Lebensmittel zu viel Zucker oder Fett enthält, auf einen Blick, ohne dass man die Packungsbeilage studieren muss. Warum sollte das nicht genauso für ein Produkt selbst funktionieren — nicht was drin ist, sondern ob es hält, was es verspricht?
Das würde die ganze Logik umdrehen. Aktuell zahlt man dafür, gut dazustehen. Mit einer Ampel würde sich schlechtes Design von ganz allein entlarven, ganz ohne Preisgeld und Jury-Dinner. Kein Pokal fürs Regal mehr nötig — nur noch eine ehrliche Farbe, die zeigt, was drin ist. Teuer schützt nicht vor Schlecht, und billig ist nicht automatisch schlecht — die Farbe kennt keinen Unterschied.
Vielleicht ist das die eigentliche Zukunft der Award-Saison: weg von der Bühne, hin zum Alltag. Jedes Produkt bekommt seinen eigenen kleinen Designpreis — ob es will oder nicht.
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